Jubiläumsfeier 2000

Im August 2000 feierten wir 80 Jahre Jugendpflegeverein Jung-Pfalz e.V. und 75 Jahre Jung-Pfalz-Hütte (erbaut: 1925).

 

Grußwort des Oberbürgermeisters der Stadt Landau i. d. Pf. Dr. Christof Wolf

 

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Jugendliche,

zu seinem 80-jährigen Jubiläum möchte ich dem Jugendpflegeverein Jung-Pfalz e. V. Landau in der Pfalz ganz herzlich gratulieren und allen Verantwortlichen Dank sagen für Ihr besonderes Engagement zugunsten der Jugendarbeit in unserer Region.

Gerade heute, wo der Computer und das Internet die beliebtesten Freizeitbeschäftigungen der Kinder und Jugendliche sind, gewinnt die Arbeit des Jung-Pfalz-Vereins immer mehr Bedeutung. Hier lernen die jungen Leute bei Jugendfreizeiten und Zeltlagern den richtigen Umgang mit der Natur. Ich bin davon überzeugt, daß die Jugendlichen durch die Arbeit dieses Vereines viel über die Schutzbedürftigkeit unserer Umwelt und den Erhalt der Landschaft erfahren und später als Erwachsene sicherlich sehr rücksichtsvoll mit der Natur umgehen.

Dem Verein wünsche ich, daß in Zukunft noch viel mehr junge Menschen die Schönheit der Natur entdecken und sich dem Jung-Pfalz-Verein anschließen.

Den Feierlichkeiten zum 80-jährigen Vereinsjubiläum sowie zum 75-jährigen Jubiläum der Jungpfalzhütte wünsche ich viel Erfolg.

Landau in der Pfalz, im Juli 2000 Dr. Christof Wolf

 


Grußwort des 1. Vorsitzenden Hans Burkert

 

Am 19. und 20. August 2000 feiert der Jungpfalz-Verein sein 80-jähriges, die Jungpfalz-Hütte ihr 75-jähriges Bestehen.

Die Hütte steht auf dem Schinderkopf oberhalb Annweiler-Sarnstall. Dr. Münich errichtete mit seinen Zöglingen in mühevoller Arbeit die Hütte von 1922 bis 1925. Die Einweihung erfolgte am 5. Juli 1925.

Ursprünglich als Begegnungs- und Versammlungsstätte für die Vereinsjugend gedacht, wurde die Hütte nach dem 2. Weltkrieg auch als Raststätte für Wanderer im Pfälzer Wald immer beliebter. Durch die Bewirtschaftung nötig gewordenen Verbesserungen und Umbauten waren, und sind wir immer bestrebt den ursprünglichen Charakter der Hütte nicht wesentlich zu verändern, und somit das Kleinod im Pfälzerwald noch lange zu erhalten.

Für das Fest am 19. und 20. August 2000 wünsche ich einen guten Verlauf und allen Besuchern von Nah und Fern viel Vergnügen.

 


75 Jahre Jugendpflegeverein Jung-Pfalz e. V. Landau

 

Bericht von Willi Achtermann

„0 Wandersport du meine Lust,  wie weitest du die junge Brust
wie stärkst du Herz und Lungen, bei Mädchen und bei Jungen“.
(Text des Wanderliedes von Dr. Münich, zu lesen auf einem Deckenbalken des Gastraumes der Jung-Pfalz-Hütte)

1995 blickte der Jugendpflegeverein Jung-Pfalz e.V. Landau auf sein 75jähriges Bestehen zurück. Die Geschichte des Vereins ist untrennbar mit seinem Schöpfer Dr. Konrad Münich verbunden, der ein Pionier der Jugendpflege sowie des Jugendwanderns war. Der 1882 in München geborene hochbegabte Mathematiker und Physiker verkörperte als Dichter, Komponist, Schriftsteller, Regisseur und Musiker von bemerkenswerten Talenten die beste musische Tradition des alten Isar-Athen.

Am 1. Januar 1913, gerade 30 Jahre alt, begann Dr. Konrad Münich (Promotion mit „summa cum laude“) seine Tätigkeit als Lehrer für Mathematik und Physik an der Königlich Bayerischen Realschule in Landau. Dieser Lehranstalt, deren Weiterentwicklung zur Oberrealschule der begnadete Pädagoge mittrug, blieb er trotz Anfeindungen seiner Jung-Pfalz bis zur Erreichung des Ruhestandes im Jahre 1947 treu, ja, wirkte nach an ihr weiter bis zum Jahre 1950.

Leistungen und Verdienste von Dr. Münich als Lehrer fanden u.a. darin ihren Ausdruck, daß er 1920 zum Studienprofessor befördert wurde, womit der damals 39jährige der jüngste Professor Bayerns war.

Wandern und alpines Bergsteigen seit Jugendtagen hatten dem Schulmann in Kürze die Mitarbeit in der Jugendpflege zeitgemäßer Art zuwachsen lassen, wie sie auch seinen Kriegseinsatz im Ersten Weltkrieg bestimmten. Aus den Erfahrungen des Lebens entwickelte sich neben der geistigen Erziehung und Mitformung einer Großzahl von Schülergenerationen das eigentliche Lebenswerk von Dr. Münich, das ihn zu einem der großen Männer in der Jugendpflege in Bayern und zu einem Heimatkünder und Heimatpfleger von hohem Rang, umgeben von einem Stab gleichgesinnter Erzieher und Mitarbeiter, werden ließ.

Es ist dies der Jugendpflegeverein Jung-Pfalz, der von ihm in Landau im Jahre 1920 gegründet wurde und mit der Genehmigung der damaligen französischen Besatzungsmacht sich zu einem weit über die Südpfalz hinausführenden Jugendverein entwickelte. Es gab nicht allzu viele Familien in der Stadt und ihrem Einzugsbereich, die nicht in dieser oder jener Weise mit der Jung-Pfalz und „ihrem Doktor“ in Fühlung standen. „Man“ zählte einfach zu den Mitgliedern oder Freunden der Jung-Pfalz. Die Mitgliederzahl 580 allein an Jugendlichen („Zöglinge“ genannt) schon im Jahre 1922 sowie 220 erwachsene Mitglieder und Förderer, spricht für sich.

Das Kennzeichen des Vereins bildete seine politische, konfessionelle und soziale Unabhängigkeit, sein Stützpunkt war das von 1922 bis 1925 oberhalb Sarnstall im Eigenbau errichtete Berghaus, die Jung-Pfalz-Hütte, intern auch Dr.-Münich-Haus genannt. Aus der ersten Strophe des von Dr. Münich geschaffenen Vereinsliedes: „0 Wandersport, du meine Lust …“ spricht der Vereinszweck. Viele Hunderte junger Menschen sind es geworden, denen sich an Sonntags- und Wochenendwanderungen im Laufe der Jahrzehnte die Schönheiten der Heimat Pfalz und ihrer Nachbarlandschaften, die Bedeutung ihrer Natur- und Kultur-Denkmale, ihre Geschichte und ihr Volkstum erschlossen. Großfahrten in den Ferien ließen sie die Alpenwelt erleben und einen lebendigen Eindruck von Deutschland in seinen alten Grenzen und von den Alpenländern gewinnen. Der Verein präsentierte sich so als Wanden- und Heimatverein, den enge Bande mit dem damaligen Deutschen und Österreichischen Alpenverein und insbesondere mit dem Pfälzerwald-Verein als eine Vorstufe für diesen und Schulstätte für dessen Führernachwuchs bildete. In Verbindung mit einer nutzbringenden ideellen Beschäftigung wurden auf diese Weise der Jugend, abgesehen von der Freude an solchem Wirken, Grundlagen zum Verständnis der Welt gegeben, in die man hineingeboren war, die man erhalten und gestalten sollte. Es war lebendige Gemeinschaftskunde.

Wurden in vielen Hüttenabenden und in jugendbewegten Nest- und Gruppenabenden in den Heimen Stiftspassage und später Galeerenturm die Erlebnisse besprochen und vertieft, so garantierten die Winterfeste im Januar mit der Darstellung des Jahresbetriebs, umrahmt von vielfältigen, aus dem Verein heraus gestalteten künstlerischen Darbietungen, eine bis auf den letzten Platz besetzte Festhalle. Landau stand dann jeweils ganz im Zeichen der Jung-Pfalz. Die Sommerfeste auf der Hütte waren dann mehr große Feste der Wanderjugend und ihrer Familien. Mit dem Dritten Reich kam das Ende des Vereins, dessen Jugend sich inzwischen eine „Kluft“ nach Art der „Bündischen Jugend“ zugelegt hatte. Nach dem sich durch die politische Entwicklung einstellenden schmerzlichen Verlust vieler junger und Altmitglieder, kam er der Gleichstellung durch Selbstauflösung zuvor. Dr. Münich wurde im Zweiten Weltkrieg aus Altersgründen nicht mehr zur „kämpfenden Truppe“ eingezogen. Seine Tätigkeit im Bayerischen Jugendherbergsverband hatte ihm die Ernennung des Deutschen Jugendherbergsverbandes zum Obmann für die Pfalz eingetragen. Dafür hatte er nach 1945 zu büßen, weil dieser Verband äußerlich NS-gleichgeschaltet worden war.

Es ist sein Verdienst, daß bereits 1922 in Landau wenigstens eine Notherberge für Jugendwanderer im Augustinerkreuzgang eingerichtet wurde. Mit seiner Jung-Pfalz richtete er in den Jahren 1931 bis 1932 die vollgültige Jugendherberge in der Fortkaserne ein, wie sich die Jung-Pfalz der Stadt stets helfend zu besonderen Veranstaltungen zur Verfügung gestellt hatte. Die Geschichte der Jung-Pfalz und ihres Schöpfers und Leiters Dr. Konrad Münich ist zugleich auch eine Geschichte des Landauer und südpfälzischen Kulturlebens.

Ein schwerer Schicksalsschlag war für Dr. Münich, außer dem Scheitern seines Lebenswerkes im Dritten Reich, die totale Zerstörung seiner Wohnung, mit aller Habe und allen Vereinsunterlagen der Jung-Pfalz beim Bombenangriff auf Landau am 16. März 1945.

Doch drei Jahre später konnte mit Genehmigung der neuen französischen Besatzungsmacht der seit zehn Jahren ruhende Jugendpflegeverein Jung-Pfalz wieder ins Leben gerufen werden. 1. Vorsitzender bei der Wiedergründung des Vereins am 21. März 1949 wurde der von der Entnazifizierung unbelastete „Altjungpfälzer“ Ferdinand Sauerhöfen, der vor dem Zweiten Weltkrieg in herausragender Weise am Vereinsleben teilgenommen hatte, während Dr. Münich den Posten des Stellvertreters übernahm. Er war zwar der geistige Leiter der Jung-Pfalz geblieben, der dem Verein die Impulse gab, durfte aber nach Lage der Dinge nicht die Rolle des Vereinsleiters ausüben. Diese Organisationsform bestand bis zum Tode von Dr. Konrad Münich am 19. Februar 1954.

Er hinterließ einen erneut aufblühenden Jugendverein und wie allein die Trauerfeiern in Landau und München zeigten, einen großen Kreis von Freunden. Seinem Wunsch entsprechend fand Dr. Münich auf dem Waldfriedhof in München, wo auch die Eltern begraben sind, seine letzte Ruhestätte.

Landau hatte einen großen Mitbürger verloren, der über vier Jahrzehnte junge Menschen im Sinne der Humanität geprägt und sie die Begriffe Heimat und Vaterland zu verstehen und zu leben gelehrt hatte. Mit dem Tod des großen Jugenderziehers zog sich auch Ferdinand Sauerhöfer aus der Vereinsführung zurück. Als neuer 1. Vorsitzender wurde Karl Finkes gewählt, der aber bereits zwei Jahre später starb. Studienrat Hans Klopp konnte 1955 für die Übernahme des Vorsitzes gewonnen werden. Er führte den Verein im Sinne seines Gründers fort. Alljährlich wurden große Wanderungen in die Bayerischen und Österreichischen Alpen, ins Salzburger Land, ins Allgäu, an die Oberdonau, in den Bayerischen Wald und an die Mosel mit Trier unternommen, wobei für den Germanisten Klopp die kulturgeschichtliche Seite stets eine bedeutende Rolle spielte.

Das Arbeitsprogramm, mit Ausnahme des Winterfestes in der Landauer Festhalle, wurde fortgesetzt. Als Klopp angesichts seines Gesundheitszustandes 1969 den Vorsitz niederlegen maßte, wurde er in Anerkennung seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er starb am 4. Oktober 1984. Am 21 April 1969 übernahm Heinrich Speyerer den Vereinsvorsitz. Das Vereinsleben entwickelte sich in den bewährten Bahnen weiter. Das Jugendwanderprogramm wurde eingeschränkt, da die Nachfrage der Jugend angesichts veränderter Interessen merklich nachließ. Das Fehlen eines jugendlichen Wanderführers ließ es schließlich gänzlich einschlafen. Auch die Zeit der großen Wanderungen war vorbei. Mit Beginn der 80er Jahre bestand der Verein noch aus 85 Erwachsenen und 12 Jugendlichen. Das Sommerfest entwickelte sich mehr und mehr zu einem Fest der Erwachsenen in üblicher Form, mit einem Freundschaftstreff von Altmitgliedern. In diese Zeit fallen auch Verhandlungen mit dem Pfälzerwald-Verein wegen einer evtl. Übernahme der Hütte und der PWV-Ortsgruppe Landau hinsichtlich einer Eingliederung der Jung-Pfalz als eigene Gruppe unter ihrem Namen. Es konnte aber keine Lösung gefunden werden. Die Jung-Pfalz-Hütte fand allerdings Aufnahme in das Wanderprogramm verschiedener PWV-Ortsgruppen. 1979 erhielt der Verein Hilfe durch Oberstudiendirektor Messerschmidt vom Otto-Hahn-Gymnasium Landau, der das Jung-Pfalz-Lied als Wanderlied in den unteren Klassen einführte, um so die Jugend für Jung-Pfalz zu animieren. Ebenfalls empfahl und förderte er die Benutzung der Hütte als Ferienheim von Schulklassen. Der Verein der Freunde des Otto-Hahn Gymnasiums wurde außerdem Mitglied der Jung-Pfalz und unterstützte die Hüttenaufenthalte. Leider brachten diese Bemühungen nicht den erhofften Erfolg. Als Heinrich Speyerer 1981 infolge einer schweren Erkrankung, der er bereits ein Jahr später erlag, den Vorsitz niederlegen maßte, tat er dies in der Hoffnung auf eine glücklichere Zukunft des Vereins. Als Nachfolger Speyerers wurde Karl Heinz Stamer gewählt, was folgte, war ein Aufschwung im Vereinsleben. Dies zeigte sich im Ansteigen der Mitgliederzahl, die 1982 bereits 18 Jungmitglieder und 114 Altmitglieder aufwies.

Mit den Erträgen aus der Bewirtschaftung der Hütte, die sowohl Ferienheim für Gäste, als auch Urlaubsstätte für Altmitglieder war, konnten die Baumaßnahmen in den zurückliegenden Jahren selbst finanziert werden. 1984 erfolgte der Neubau des Quellenkellers neben der Hütte, 1984/85 wurde die Stromversorgung durch den Neubau eines Gebäudes für die Unterbringung des Stromaggregats verbessert, 1987 der Fahrweg zur Hütte gebaut, womit eine bessere Anlieferung von Versorgungsgütern, insbesondere auch Wasser (das nach wie vor angefahren werden muß) gewährleistet war. 1987/88 wurde der Hütteneingang und der Raum zwischen Hütte und Keller neu überdacht, 1988/89 ein Toilettengebäude mit Abstellraum errichtet (das Abwasser muß ausgepumpt und abgefahren werden, was jährlich etwa 6000,- Mark Kosten verursacht).

In den Jahren 1993 bis 1995 wurde die Hütte durch Ausbau des Treppenhauses und des Vorraumes erweitert. Nach 1981 erfolgte ein Wiederaufbau des Wanderwesens, Ferienlager in Hütten im Schwarzwald und im Allgäu, Sommer- und Winterfeste auf der Hütte kennzeichneten den inneren Aufschwung. Das in loser Folge herausgegebene Mitteilungsblatt „Hallo Jung Pfälzer“ bringt die Bemühungen zum Ausdruck, den Zusammenhalt in der Vereinsmannschaft zu stärken. Im Zeichen des neuen Aufbruches stand auch die Neufassung der 1959 beschlossenen Satzung im Jahre 1983. In der Hauptversammlung am 25. März 1995 wurde, nachdem Karl-Heinz Stamer, der 14 Jahre den Verein geleitet hatte, nicht mehr kandidierte, Hans Burkert (Edenkoben) zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt. Der Verein besteht in diesem Jahr 75 Jahre. Das Jubiläum soll aber erst im Jahr 2000 gefeiert werden, wenn die Hütte 75 Jahre alt wird. Noch muß der Umbau der Hütte fertiggestellt und die Küche modernisiert werden. Im Anschluß an den Innenausbau sollen die Außenanlagen, wo insbesondere der Berghang mit Pflanzungen gesichert werden soll, in Angriff genommen werden.

  • Der Bericht von Willi Achtermann im Pdf-Format zum ausdrucken